Das Königreich Berlin und sein Stadtschloss

Aktuell vermeldet die Presse einmal mehr eine Verzögerung beim Berliner Prestigeprojekt „Vorwärts in die Vergangenheit – Wir wollen unser Stadtschloss wieder haben!“. Der Baubeginn verzögert sich um ein Jahr, die Bauzeit verdoppelt sich mal eben auf sechs, die Finanzierung … achnee, die war ja seriös und sicher kalkuliert.

Ohne die Diskussion wieder aufmachen zu wollen, ob es sinnvoll ist, ein DDR-Relikt wegzusprengen, um das Relikt einer anderen Ära wieder auferstehen zu lassen, sei die Sinnfrage gestattet: Was soll das?

Statt ein Zeichen zu setzen und den gewonnen Raum wirklich neu zu definieren, kriechen irgendwelche Hüter des Altertums aus ihren Löchern und wollen, das alles so wird, wie es einmal war. Und damit man auch ja keine zu flippigen oder gar gute Ideen bekommt, schreibt man den Bau mit so vielen fixen Rahmenbedingungen aus, die jegliches kreative Potenzial mit drohendem Zeigefinger zurück in die Verbannung schicken. Trotz der Tatsache, dass man – vollkommen verrückt – eine Seite des Schlosses für eine abweichenden Neugestaltung freigegeben hatte.

Wer als Beobachter des Prozesses nun meint: ‚Ok, alle möglich Fehler wurden nun gemacht„, sieht sich schnell widerlegt, denn: Nach der Ausschreibung ist vor der Vergabe! Einige Architekten hatten genügend Selbstbewusstsein, die Ausschreibung so flexibel wie möglich zu interpretieren. Jeder dieser Entwürfe ist um Längen besser als der gekürte Sieger.

Mutig wie Politik und Stiftungsmitglieder aber sind, haben sie sich souverän für den langweiligsten und dem historischen Original am ehesten entsprechenden Entwurf entschieden, der zudem bei der Gestaltung der „freigegebenen“ Seite auch nicht gerade tief in die Ideenkiste geschaut hat. Leider aber hat man vor lauter Professionalität glatt versäumt zu prüfen, ob der Sieger denn überhaupt die geforderten Bedingungen erfüllte, was nach der Klage eines Mitbewerbers zur gerichtlichen Aufhebung des bereits geschlossenen Vertrags führte.

Diese Soap wird sicher noch einige Folgen weitergehen. Bleiben Sie dran!

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