Auf Sylt – Ein Reisebericht

Sylt. Die Insel der Schönen, Reichen und Arroganten. So weit die Vorurteile. Aber wenn Farin Urlaub schon 1988 bettelte, zurück nach Westerland zu dürfen, kann es so schlimm ja nicht sein. Also los; zumal es dank verwandschaftlich günstiger Verquickungen auch noch für lau war.

Anreise

Ein Tag im Mai. Samstag früh, 4:30 Uhr. Der Wecker klingelt. Wegen Kind – 16 Monate alt – wollten wir früh losfahren, um möglichst viele Schlafphasen in die Fahrt einzubauen. Super Plan! Also Kind um 4 Uhr aus dem Bett. Kind erwacht. Kind freut sich. Kind staunt. Kind ist die ersten 1,5 Stunden erstmal munter! Anschließend schlafen Mutter und Kind bis acht während der Fahrer kaffee-gepuscht über die leere Autobahn düst.

Drei längere Pausen plus 300 km später dann ab auf den Autozug – den sich die Bahn als alternativlose Option gut honorieren lässt. Nach weiteren 30 min: Willkommen auf Sylt!

Wie isses?

Überschaubar. Stationiert waren im Zentrum des zentral gelegenen einst besungenen Ortes Westerland, aber „schön“ sieht anders aus. Westerland ist ein Ort. Punkt. Als positiv mag man werten, dass man sich in Westerland auch als Normalschichtler (Einkommen < 500.000 per anno) nicht vollkommen aussätzig fühlt.

Aber Sylt ist ja nicht gleich Westerland. Sylt ist vor allem Meer und Natur, wobei sich „Natur“ hier auch auf  „Küste“ & „Watt“ beschränkt. Aber dieses Sylt ist schön, jedenfalls dort wo keine Hummer fahren und keine im „Outdoor-Café“ verspeist und magnumflaschenweise mit Schampus heruntergespült werden. In den Orten, wo die High-Society – oder das was sich dafür hält – absteigt, fanden wir die Insel unerträglich. Wir scheiterten auf unseren Touren mehrfach und kläglich bei dem Versuch, ein normales Café oder Eiscafé zu finden.

Aber vor allem aber hatte ich in diesen Orten – wie z.B. Keitum – das Gefühl in einem toten Ort zu sein. Aber angesicht der Tatsache, dass in diesen Orten ein Großteil der Häuser Leuten gehört, die hier nur ein paar Wochen im Jahr verbringen ist das auch kein Wunder. Gesellschaftliches Leben eine einheimischen Bevölkerung findet hier praktisch nicht mehr statt. Gruselig!

Was tun?

Raus in die Natur. Mit dem Rad über die Insel! Mit dem Auto ist Quatsch, dafür ist die Insel viel zu klein. Bevor man in den vierten Gang schalten kann, muss man  schon wieder umdrehen. Es sei denn, man hat ein entsprechendes Fahrzeug auszuführen. Die gesamte Insel ist mit einem Radwegenetz oder radtauglichen Wegen durchzogen und hier macht Sylt auch richtig Spaß. Die Landschaft abseits der Orte ist toll. Ende Mai ist die Insel auch nocht nicht überfüllt und man kann sehr ruhige Flecken Erde oder Strand finden.

Wer mit Kinder unterwegs ist und/oder nicht nur radeln oder wandern will, findet aber auch andere Angebote. Direkt in Westerland gibt es ein Aquarium, das – wenn auch nicht riesig – schöne Unterwassereinblicke gewährt und unser Kind aus dem Staunen nicht mehr entließ. Unser persönliches Highlight war allerdings der kleine, liebevolle Privatzoo in Tinnum.

Aber auch eine Fahrt zu den Seehundbänken lohnt durchaus – wenn denn Seehunde auf den Bänken lümmeln. Aber auch die Erklärungen zur Wassertierwelt der jungen Leute von der Schutzgemeinschaft Wattenmeer war interessant – insbesondere für die Kinder an Bord.

Tipp: Wer Fahrräder leihen und einige der erwähnten Angebote wahrnehmen möchte, dem sei das Inselticket empfohlen, mit dem man viele 2-für-1-Angebote wahrnehmen kann. Schon beim Mieten von zwei Fahrrädern für eine Woche hat man den Preis für das Ticket wieder ‚raus.

Wo essen?

Außerhalb der City. Unser persönlicher Favorit war das Restaurant Seenot, in den Dünen vor Westerland mit Blick aufs Meer: Exzellentes Essen zu absolut normalen Restaurantpreisen. Außerdem eine supersympathische Bedienung und Kinder sind hier sehr willkommen.

Etwas außerhalb, in Tinnum liegt das Restaurant Aldente Los Ninos. Ein Restaurant mit italienischer, asiatischer und spanisch/mexikanischer Küche. Wir waren etwas skeptisch (wer alles kann, kann nichts richtig!), aber wurden positiv überrascht. Das Essen war super (Die Vorspeisenplatte „all around the world“ ist ein Kracher; danach aber bitte keine großen Portionen mehr einplanen).

In diesem Restaurant, dass über ca. 500 Plätze verfügt, gibt es mehrere Küchen und in der kinderfreundlichen Abteilung einen Indoor-Spielplatz mit Sandkasten und Piratenschiff: Die Eltern können in Ruhe essen und die Zwerge zwei Meter weiter fröhlich spielen.

Was bleibt?

Insgesamt war’s nett. Eine Woche Sylt lohnt, aber eine Woche Sylt reicht. In der Zeit kann man alles Wichtige abgrasen. Länger Urlaub machen kann dort nur, wer auf Programm verzichten kann und eher der Strandurlaubstyp ist. Im Mai ist die Insel nicht überfüllt, aber die Vorstellung an die Hauptreisezeit lässt klaustrophobische Gedanken aufkommen.

Vieles auf der Insel ist auf eine besser betuchte Klientel als uns Mittelschichtler ausgerichtet. Das kann man  doof finden, muss man aber nicht ;-) Als eine wunderbare Urlaubszeit für Sylt könnte ich mir einen kalten, sonnigen Winter vorstellen. Ohne den ganzen Trubel dürfte die Insel ein Traum sein.

[Notiz an mich: Zukünftig auch mal wieder den Urlaub fotografieren und nicht nur das Kind im Urlaub!]

2 Kommentar zu “Auf Sylt – Ein Reisebericht

  1. Sylt ist eine herrliche Insel zum Urlaub machen. Wir waren schon öffters dort und uns gefällt es immer noch. Die Anreise gestaltet sich unkompliziert und es gibt viel Natur, die zum Bewegen im Freien einlädt. Am liebsten machen wir lange Fahrradtouren oder gehen ein bisschen ans Wasser. Alles in allem hat man einige Möglichkeiten, mit den man es gut ein paar Tage aushalten kann.

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