Reisebericht – Malta (2001)

Malta: Heiß, trocken, staubig, klein, felsige Strände, englisches Frühstück, alte klapprige Busse. Und da soll man Urlaub machen? Japp!

UPDATE 2015: Die alten Busse gibt es auf Malta inzwischen (leider) nicht mehr.

Malta ist sicherlich nicht für Strandurlauber geeignet. Wobei man auch dort einschränken muss: Ende September ist es immer noch heiß und dann sind die wenigen (aber sehr schönen Strände) auch nicht übervölkert. Aber Malta ist zu schade für „nur mal ’n Strandurlaub“.

Spuren im Gestein
Spuren im Gestein – Herkunft bis heute ungeklärt.

Das Hotel

Das 3*-Hotel „Soreda“ lag in einer ruhigen Gasse von St. Pauls Bay. Die Ausstattung war in Ordnung. Leider hatten wir aber doch einige Probleme; zwar nicht tragisch, aber teilweise nervend und sehr ärgerlich.

Was uns sehr enttäuschte war das angekündigte Frühstück: Malta ist englisch geprägt und entsprechend ist das Frühstück. Laut Katalog sollte es allerdings auch kontinentales Frühstück geben. Das Kontinentale beschränkte sich auf eine Sorte Wurst und eine Sorte Käse, die auch nicht wirklich ständig wechselten. Ansonsten englisch: labberige Würstchen; warme Tomaten, Toast, Rührei (das sehr gut war, aber wer mag schon 14 Tage Rührei), Bohnen. Auch wenn das einheimische Brot sehr lecker war; nach einigen Tagen war die Frühstücksvorfreude stark gedämpft. Wir hatten das Hotel explizit wegen des annoncierten kontinentalen Frühstücks gewählt: Das war entsprechend enttäuschend.

Das Abendessen war ok für den Hotelstandard, aber ist 14 Tage lang auch nur schwer zu ertragen; im Prinzip gab es immer wieder die gleichen Dinge in leichten Variationen. Allerdings wurde zum Ende des Abendessens hin mit dem Eindecken für das Frühstück begonnen; die Folge: Nervende Unruhe und Vernachlässigung der anwesenden Gäste. Als wir uns darüber dann an der Rezeption beschwerten, erdreistete sich der Catering-Manager am nächsten Tag uns zurechtzuweisen und meinte uns auffordern zu müssen, in Zukunft unsere Beschwerden bei ihm persönlich vorzutragen. Das war – gerade in der Art und Weise – die unglaublichste Frechheit, die ich je in einem Hotel erlebt habe.

Das letzte größere Problem. Wir hatten eines Abends Ameisen im Zimmer (nicht tragisch; kommt ja gerade in südlicheren Ländern leicht mal vor). Der Portier half sofort mit Insektenvernichter für die Nacht aus. Und wir erhielten die Zusage, dass am nächsten Vormittag das Problem beseitigt würde. Als wir am nächsten Abend zurück ins Hotel kamen, war nicht nur das Problem nicht behoben; auch die toten Ameisen lagen noch im Zimmer herum. Nach erneuter Aufforderung begann man, sich dann zu kümmern.

Diese unangenehmen Dinge haben wir sowohl dem Hotel aber auch Neckermann-Reisen mitgeteilt. Das Hotel mit diesen Erlebnissen müssen wir deshalb als „unbedingt nicht empfehlenswert“ einstufen.

St. Pauls Bay

Malta ist überall Touri-Gegend. St. Pauls Bay hatten wir gewählt, weil es wenige Hotelklötze im Ort gibt. Letztendlich können wir nach unseren Maltaerfahrungen auch sagen, dass man sich in allen Gegenden niederlassen kann. Die Insel ist so klein, das sich jeder Zipfel schnell erreichen lässt.

St. Pauls Bay selbst war ok, keine reine touristisch geplante Stadt; Touristen und Einwohner leben bunt gewürfelt nebeneinander. St. Pauls Bay bietet keine vernünftigen Strände für sonnenhungrige Strandurlauber. Dazu sollte man vorher genau einen Reiseführer studieren und dann in den entsprechenden Orten buchen.

Mobilität

Wir haben zwei Möglichkeiten der Fortbewegung getestet: Busse und Scooter. Die Busse sind Kult; der Scooter ist optimal für maximale Mobilität und wenn man auch die entferntesten Ecken erreichen möchte. Wir haben allerdings auch 5 Pfund pro Tag für den Scooter berappen müssen (damals ca. 25 DM).

Auch wenn Reiseführer Anderes berichten: Uns kam es nicht gefährlich vor mit dem Moped durch Malta zu fahren. Die großen Schnellstraßen sollten man meiden, wenn man tatsächlich nur eine 50 ccm-Maschine hat, da macht es keinen Spaß wenn die Autos an einem vorbeizischen. Allerdings konnten wir keine großartige Rücksichtslosigkeit der Malteser feststellen.

An den Linksverkehr hat man sich im Übrigen schnell gewöhnt; vermutlich ist es viel leichter sich zweirädrig auf den Linksverkehr einzustellen, als wenn man ein Auto steuern muss und sich auch noch auf die veränderte Anordnung der Bedienelemente einstellen muss.

Die maltesischen Busse sind schlicht und ergreifend kultig: Uralte Kisten, im Wesentlichen offen, mit röhrenden Motoren und krachendem Getriebe. Die Busse fahren häufig und die Insel lässt sich damit hervorragend erschließen. Und: Es macht einfach Spaß!

Maltesische Busse
Maltesische Busse
Maltesische Busse
Maltesische Busse

Das Wetter

Mit einem Wort: heiß. Wir durften während der zwei Wochen ca. 30 Minuten leichtes Tröpfeln genießen. Um die Mittagszeit hatten wir immer über 30-35 °C. Und Schatten sind in der freien maltesischen Wildbahn kaum zu finden. Wenn man plant, sich auch ein wenig von der Insel anzuschauen, ist der Urlaub im September oder Oktober sicher gut terminiert. Der Hochsommer auf Malta dürfte extrem heiß sein.

Sehenswertes

Neolithischer Tempel
Neolithischer Tempel

Malta selbst hat kulturgeschichtlich insofern wenig zu bieten, als sich Malta kulturell nicht eigenständig entwickeln konnte. Malta war immer irgendwelchen Einflüssen anderer Kulturkreise ausgesetzt. Türken, Phönizier, Römer, Mauren: Alle waren sie dort. Die letzte Kolonialmacht stellten die Engländer; entsprechend ist Malta ein britisch geprägtes Land.

Allein in der Frühgeschichte kann Malta mit einer neusteinzeitlichen (neolithischen) Hochkultur aufwarten. Davon zeugen auch heute noch beeindruckende Tempelanlagen (ca. 5000 Jahre alt) und ein Hypogäum (das wir leider nicht besuchen konnten). Das Hypogäum hat sehr begrenzte Öffnungszeiten und ermöglicht pro Tag nur wenigen kleinen Gruppen den Besuch. Aber man sollte den Besuch auf keinen Fall versäumen (telefonische Anmeldung ist wohl möglich).

Neolithischer Tempel
Neolithischer Tempel

Zum Anderen bietet die Natur durchaus spektakuläre Anblick: Fantastisch blaues, kristallklares Wasser oder riesige Felsformationen. Auch wenn z. B. das „Blaue Fenster“ mit Touri-tauglichen Geschichten geschmückt wird: sehenswert ist es allemal.

Blue Window - Das Blaue Fenster
Blue Window – Das Blaue Fenster

Valetta

Valetta
Valetta
Valetta
Rush hour in Valetta

Die erste am Reißbrett entworfene Stadt ist einen Besuch durchaus wert. Kleine Gassen, riesige Schutzwälle und eine insgesamt interessante Anlage der Stadt machen einen Besuch unverzichtbar. Allerdings sollten nicht die Stunden um die Mittagszeit für die Besichtigung genutzt werden: Valetta ist tot um diese Zeit. Die Geschäfte schließen gnadenlos, da bleibt dann nur die Flucht zu McDonalds oder in einen der kleinen Parks.

Mdina

… ist die mittelalterliche Stadt im Herzen Maltas. Mdina ist immer noch im originalen Zustand erhalten; kein Verkehr kommt durch die Tore der Stadt herein. Außerdem bietet sich von Mdina aus, ein toller Blick auf große Teile der Insel.

Mdina
Gassen von Mdina

Ein Rundgang durch die Stadt ist wohl die beste Möglichkeit; das Flair von Mdina zu erfassen. Enge, dunkle Gassen, kleine Türen und Wasserleitungen, die außen an den Häuserwänden verlaufen.

Shoppen

Hier hat Malta tatsächlich etwas anzubieten. Auf Malta gibt es einige sehr schöne Kunsthandwerke. Die bedeutendsten sind dabei das Glas(bläser)handwerk, Keramik, Gold- und Silberschmuck.

Auf kulinarischer Seite gibt es – dank des englischen Einflusses – nicht viel zu holen: Malta hat einige Weinbaugebiete, wo man meist die Weine vor Ort kaufen kann. Es gibt gute Rotweine; allerdings darf man bei dem heißen Klima und den daraus resultierenden süßen Trauben keine sehr trockenen Weine erwarten.

Eine nationale Besonderheit hat Malta dann doch noch zu bieten: Kinnie. Das alkoholfreie Erfrischungsgetränk bekommt man überall; es schmeckt leicht bitter (dank Wermut) und eignet sich hervorragend als Durstlöscher. Das haben wir nach unserer Reise wirklich vermisst und ist in Deutschland auch ganz schwer zu bekommen.

Gozo

… ist der kleine Bruder vom Malta; fast alles genauso, nur viel kleiner. Gozo erreicht man mit der Fähre. Am Einfachsten ist es wohl, mit einem Scooter überzusetzen (der Fahrpreis für das Moped ist ein kleiner Bruchteil von der Gebühr, die für ein Auto fällig ist). Klein wie Gozo ist, kann man alle relevanten Punkte problemlos an einem Tag abfahren.

(Hinweis: Dieser Reisebericht stammt von www.docma.de. Alle erhaltensweten Inhalte der Seite werden nach und nach übertragen.)

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