Reisebericht Korfu (2002)

Korfu als die „grüne Insel“ eignet sich für einen Strandurlaub ähnlich gut, wie auch für einen Wanderurlaub. Sollte man einen Strandurlaub bevorzugen, lohnt es, sich vorher Gedanken über die Wahl des konkreten Ziels zu machen. 

Der Norden ist landschaftlich sehr viel schöner; im Süden soll es wohl mehr lange, ruhige Sandstrände geben. An den Stränden im Norden kann man teilweise auf sehr steinigen Boden treffen, was gerade für Kinder wenig geeignet ist. Allerdings geben die einschlägigen Reiseführer in der Regel auch Auskunft darüber, welche Strände zu empfehlen sind. Landschaftlich sehr viel reizvoller ist aber der Norden mit dem hohen Bergen und Gebirgspässen.

Archaravi

 Salz leckende Schafe
Salz leckende Schafe

Wir hatten ein Appartement im Hotel Irene in Acharavi ganz im Norden der Insel. Das Hotel selbst befand sich am Ende des langen Strands von Acharavi. Das Meer begann 20 m vor dem Hotel. Ein großes Plus dieser Anlage war, dass sie sich weit außerhalb des Ortes und auch weit genug ab von irgendwelchen Partylocations lag. Über mangelnde Ruhe konnten wir uns nicht beklagen.

Acharavi selbst ist ein eher unscheinbarer aber netter kleiner Ort. Zu Fuß waren wir nach etwa 20 min am Strand entlang im Zentrum angekommen.

Das Hotel

Die zum Hotel gehörenden Appartementhäuser hatten 4 Sterne, das Hotel selbst war ein 3-Sterne-Hotel. Die noch recht neuen, großzügigen Appartements kann man uneingeschränkt empfehlen, über die Zimmer im Hotel kann ich allerdings keine Aussagen machen.

Wir hatten im Hotel mit Halbpension gebucht. Rückblickend würde ich zumindest auf das Abendessen verzichten. Sowohl das Frühstücks- als auch das Abendbuffet waren zwar in Ordnung aber doch sehr sparsam und auf die Dauer sehr eintönig; große Abwechslung gab es nicht, über zu große Auswahl konnten wir uns auch nicht beklagen. Und nach etwa einer Woche begann sich das Abendessen zu wiederholen. Das Dessert beim Abendessen gab es nur auf Zuteilung (eins pro Person am Ende des Essens, also nix mit Desserbuffet).

Für meinen Geschmack entsprach die Auswahl auch nicht einem 3-Sterne-Hotel; allerdings war die Qualität des Essens in Ordnung. Was wir als sehr störend empfanden, war die Zuweisung fester Sitzplätze am erstem Urlaubstag; zumal wir auch einen Tisch direkt neben dem Buffet zugewiesen bekamen. Wir haben es dann auch häufiger vorgezogen, auf unserer Terrasse zu frühstücken.

Insgesamt können wir das Hotel mit den genannten Einschränkungen empfehlen: Appartement buchen, maximal mit Frühstück und sich um alles andere selbst kümmern (die Appartements bieten auch eine Kochecke, die durchaus geeignet ist, sich selbst zu bekochen). Und auf der Terrasse zu essen ist eh um Längen schöner, als im engen Restaurant zu sitzen.

 Der erste Tag
Der erste Tag

Das Wetter

Einschlägige Klimatabellen sprechen von weniger als einem Regentag im September. Mit dem Wetter hatten wir allerdings nicht soviel Glück: Wir hatten in unseren 14 Urlaubstagen wohl alle Regentage gebündelt, die normalerweise zwischen Mai und September auftreten. Allerdings hatten wir dadurch die Möglichkeit wirklich phantastische Gewitter erleben zu dürfen :-).

Einkaufen in Acharavi/auf Korfu

Wie im Reiseführer empfohlen, kauften wir die Dinge des täglichen Bedarfs im Zentrum von Acharavi im Supermarkt „Dímitra“. Dort machen auch die Einheimischen ihre Groß- und Wochenendeinkäufe; viel falsch macht man damit also nicht.

Die Preise sind nach der Euroeinführung in Griechenland wohl sehr stark gestiegen; sodass man kein Billigland mehr erwarten sollte. Die Preise dort entsprechen im Mittel etwa denen in Deutschland; einige typische Produkte sind durchaus um einiges billiger was sich aber bei anderen Artikeln wieder ausgleicht.

Als korfiotische Mitbringsel, die am Ende nicht im Keller landen oder als Staubfänger fungieren, bieten sich die unterschiedlichsten Produkte aus Olivenholz an. Neben dem standardmäßigen Kitsch gibt es auch Schalen aus Olivenholz oder sehr schöne Schachspiele. Bei den Schachspielen sollte man sich ein wenig umschauen; es gibt viele verschiedene Varianten und mit etwas Glück findet man auch aufwändiger gestaltete Schachfiguren, ohne dass es unverschämt teuer wird.

Mobilität

Scooter
Scooter

Laut Aussage diverser On- und Offline-Reiseführer ist das Busnetz in Korfu gut ausgebaut. Da wir gerne unabhängig vom öffentlichen Nahverkehr sind, haben wir uns eine Scooter gemietet. Mit den 125-ccm-Maschinen (die man in D ja leider nicht fahren darf) kommt man auch problemlos und zügig durch alle Berge.

Wir hatten das Glück, ein wirklich Superangebot zu finden: Kosteten bei den anderen Moped-Vermietungen die Scooter so ca. 120 Euro für 7 Tage, haben wir 75 Euro für 10 Tage bezahlt!

Der Vorteil des Scooters gegenüber dem Auto ist, dass man vor allem kleine Wege fährt und so viel mehr vom Lad mit bekommt. Eine gute Karte ist allerdings Voraussetzung.

 Unterhalb des Gipfels am Pantokrator
Unterhalb des Gipfels am Pantokrator

Einen Luxus, den man sich aber unbedingt noch gönnen sollte: Mit dem Jeep durch die Berge!

Jeeptour I

Es gibt auf Korfu durchaus interessante Ecken, die man aber nur oder am besten mit dem Jeep erreichen kann. Abgesehen davon, dass man so in  sehr unberührte Gegenden kommt, macht es auch eine Riesenspaß mit so einem kleinen Jeep durchs Gelände zu kraxeln.

Eine Faustregel lautet einfach: Große Straßen meiden, jede weiße Straße auf der Karte und jeder abbiegende Weg ist dein Freund :-).

 Paleó Chorió - unterhalb des Gipfels am Pantokrator
Paleó Chorió – unterhalb des Gipfels am Pantokrator

Im Marco Polo Reiseführer finden sich einige lohnende Ziele, die dem Jeep auch entsprechendes Gelände bieten. Am Hang des Pantokrator z. B. liegt ein altes, in den 20er Jahren verlassenes Dorf (Paleó Chorió). Dort ist man wirklich abseits jeder Zivilisation und dank der schwierigen Lage, verirren sich dorthin auch nur ein paar aktivere Touristen.

Der Abstecher empfiehlt sich im Zusammenhang mit einem Besuch des Pantokrator (dem höchsten Berg Korfus). Den Pantokratorgipfel erreicht man über eine normale Asphaltstraße; der steile Anstieg ist aber trotzdem sehr beeindruckend. Verlässt man mit dem Auto den Gipfel wieder, biegt ein Stück unterhalb ein Sandweg rechts ab: Allradantrieb an und los!

Im Dorf (am oberen Bildrand die Antennen auf dem Pantokrator)
Im Dorf (am oberen Bildrand die Antennen auf dem Pantokrator)

Bis zum Dorf muss man sich ein Stück am Berg herunterschrauben. Der Weg ist sehr breit, also wirklich nicht gefährlich. Aber aufgrund der großen Steine und Schlaglöcher ausschließlich mit Jeep oder – wer es kann – mit einem geländegängigen Motorrad zu bewältigen.

Am Rande des Dorfes kann man irgendwo halten und den Ort zu Fuß erkunden; ein wenig gespenstisch ist es schon dort. (Der Ort ist weit größer als es auf den Bildern scheint.)

Nach der Dorfbesichtigung ging es weiter den Berg abwärts; viele Kilometer Serpentinen waren zu bewältigen. Den Weg vom Fuß des Berges nach Paleó Chorió kann durchaus auch mit einem PKW bewältigt werden; vorsichtiges Fahren vorausgesetzt. Aber das Stück vom Pantokratorgipfel nach Paleó Chorió bleibt Jeeps, Motorrädern, Mountainbikes und Fußgängern vorbehalten.

Jeeptour II

Ein weiteres Dorf, dass lange Zeit fast völlig verlassen war ist Paleó Períthia. Auf dem Weg dorthin kann man wunderbar über engere Serpentinen um die Berge herumfahren.

 Serpentinen
Serpentinen
 Mondlandschaft am Pantokratorgipfel
Mondlandschaft am Pantokratorgipfel
 Blick aus dem Auto auf den verregneten FKK-Strand
Blick aus dem Auto auf den verregneten FKK-Strand

Zwar hatten wir uns vorgenommen als Abschluss der Tour einen Abstecher an den (wohl einzigen) FKK-Strand Korfus zu machen (Mirtiotissa-Strand im Westen auf Höhe der Hauptstadt Kerkyra), und ins Wasser zu springen. Aber da das Wetter im Laufe des Tages mal wieder schlechter wurde und damit auch immer kühler, blieb von dem Vorhaben nur das übrig:

Kerkyra – Korfu Stadt

Kerkyra ist die einzige größere Stadt auf Korfu. Erbaut in viktorianischem Stil ist die Stadt durchaus eine Abstecher wert, aber lohnt vermutlich nicht, den  kompletten Urlaub dort zu verbringen.

Allerdings sollte man sich die Zeit nehmen und ein wenig durch die Altstadt schlendern. Kerkyra bei Nacht ist auf jeden Fall auch einen Ausflug wert.

 Blick von der Alten Festung auf Kerkyra
Blick von der Alten Festung auf Kerkyra

Eine Attraktion hat die Stadt aber, die sie von anderen unterscheidet: Der Flughafen mit der direkt in die Lagune gebauten (2375 m langen) Start- und Landebahn). Der Anflug erfolgt über die Stadt oder das Mehr. Steht der Wind so, dass Anflug und Start über das Meer erfolgen sollte, ist ein Ausflug zur „Mäuseinsel“ fällig (uns genügte der Blick darauf; ‚rüberschippern ist aber auch möglich).

Viel interessanter ist die lange Brücke über die Lagune. Über deren Mitte starten und landen die Flugzeuge und der Anblick ist wirklich beeindruckend, wenn so ein Vogel 50 – 100 m über den Köpfen hinwegdonnert. Ein Paradies für Plane-Spotter.

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Der Süden

 Koríssion-Salzsee
Koríssion-Salzsee

… ist eher sehr ruhig und verträumt. Wir haben nur eine Tagesrundreise mit unserem Scooter unternommen. Vorbei an Kerkyra, hinunter nach Lefkimi. Und von dort zurück über den Koríssion-Salzsee im Südwesten.

Lange Sandstrände und die – allerdings sympathisch – touristisch wenig erschlossene Gegend laden eher Urlauber ein, die es sich am Stand gemütlich machen wollen.

Wandern auf Korfu

Leider hat das Wetter bei unserem Urlaub ja nicht so sehr gut mitgespielt, sodass wir leider nicht viele Wanderungen unternommen haben.

 Wieder zurück nach dem Aufstieg
Wieder zurück nach dem Aufstieg

Wenigstens eine größere Bergwanderung haben wir aber doch unternommen: auf den 627 m hohen Berg in der Nähe von Ano Korakiana. Das Wetter war an diesem Tag dank teilweise bewölktem Himmel nicht so heiß, wie es bei Sonnenschein auch im September normalerweise ist.

Grob getippt haben wir einen ca. 5 km langen, sehr steilen Anstieg bewältigen müssen, wurden oben aber mit einem fantastischen Panoramablick belohnt. Bei allzu heißem Wetter sollte der Aufstieg aber tunlichst vermieden werden.

Für Wanderbegeisterte ist die grüne Insel aber sicher sehr gut geeignet, aber der Urlaub sollte dann wohl nicht vor Ende September stattfinden.

(Hinweis: Dieser Reisebericht stammt von www.docma.de. Alle erhaltensweten Inhalte der Seite werden nach und nach übertragen.)

5 Kommentar zu “Reisebericht Korfu (2002)

  1. Vielen Dank für diesen wunderbaren Reisebericht, auf den ich über die Suchmaschine meines Vertrauens gestoßen bin! Obwohl ich beruflich viel auf Korfu zu tun habe, kann ich nicht genug von der Insel bekommen. Besonders gut gefällt mir übrigens der Süden, für den Ihr ja leider nicht mehr so viel Zeit übrig hattet. Aber vielleicht konntet Ihr das ja mittlerweile nachholen?!

    Herzliche Grüße,
    Roland

    1. Danke!

      Nein, Korfu haben wir nicht erneut besucht und steht derzeit auch nicht auf der Liste.

      Gruß
      Rainer

      PS: Das Verlinken themenbezogener, kommerzieller Angebote wird naserümpfend zur Kenntnis genommen, bringt aber nichts. Alle Links in den Kommentaren werden automatisch mit „nofollow“ gekennzeichnet und haben suchmaschinentechnis Null Relevanz.

  2. Vielen Dank für die Kommentare.

    (Allerdings wundere ich mich immer wieder, welche – thematisch unpassenden und / oder kommerziellen – Links hier platziert werden. Aus Suchmaschinenoptimierungsgründen bringt das übrigens gar nichts, da die Links von der Blogsoftware alle automatisch mit einem „nofollow“ gekennzeichnet werden. Den Beitrag von Anja hatte die Spamabwehr deshalb sogar erstmal als Spam abgelehnt.)

  3. Der Reisebericht ist wirklich sehr schön und interessant geschrieben. Wir selbst waren auch vor einigen Jahren auf Korfu, allerdings in einer anderen Ecke der Insel und haben dort auch eine sehr schöne Zeit verbraucht. Auf der Insel Korfun kann man schon einige tolle Sache erleben, die Strände sind toll und die Menschen sind zudem sehr liebenswert. Wir werden sicher irgend wann wieder einmal dorthin reisen.

  4. Schöner Reisebericht und er spiegelt die Insel Korfu sehr gut wieder. Natürlich wie auch schon beschrieben sind die Reisewünsche etwas vom Wetter abhängig, je nachdem ob Strandurlaub oder eher Wander und Sporturlaub gewünscht ist. Ich denke, dass man jedoch gut planen kann, wenn man sich etwas nach den Jahreszeiten richtet.

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